DVT`s werden seit Jahren in der zahnmedizinischen Diagnostik eingesetzt und gehören
zwischenzeitlich zum Standard in der modernen Zahnheilkunde. Die rechtliche Grundlage für die Entscheidung bzgl. der Anfertigung einer Röntgenaufnahme bildet stets die rechtfertigende Indikation, welche u. A. die Feststellung erfordert; „dass der gesundheitliche
Nutzen der Anwendung am Menschen gegenüber dem Strahlenrisiko überwiegt.“ (Quelle: s2k-Leitlinie
Dentale digitale Volumentomographie /Version Nr. 9 vom 05.08.2013)

Aus unserer Erfahrung heraus werden DVT`s in folgenden Fällen am häufigsten angefertigt:

  • In Verbindung mit Implantationen
  • In Verbindung mit Osteotomien
  • In Verbindung mit Wurzelspitzenresektionen
  • Zur Abklärung unklarer Beschwerden (meist zur Abklärung einer Sinusitis)
  • In Verbindung mit Endo-Behandlungen
  • In Verbindung mit parodontologischen Behandlungen

Erzeugt die Abrechnung der DVT Leitungen Probleme mit den kostenerstattenden Stellen?

Die kostenerstattenden Stellen erstatten die Kosten für die DVT erfahrungsgemäß häufig im ersten Schritt nicht. Ein Ablehnungsgrund der kostenerstattenden Stellen für die Erstattung einer DVT ist, dass eine Stufendiagnostik gefordert wird. Das heißt, es wird vor Anfertigung einer DVT eine zweidimensionale Röntgenbildgebung verlangt.

Dem kann man wie folgt entgegentreten:
Trotz der Gewissheit, dass eine konventionelle zweidimensionale Röntgenaufnahme nicht ausreicht, eine weitere, aktuellere 2-dimensionale Aufnahme unnötigerweise anzufertigen, wäre sowohl unwirtschaftlich als auch hinsichtlich der Strahlenbelastung nicht im Sinne des Patienten.

Ein weiterer Ablehnungsgrund ist, die DVT sei medizinisch nicht notwendig gewesen und eine zweidimensionale Abklärung mittels OPG (GOÄ 5004) hätte ausgereicht. Dem kann man bei den unterschiedlichen Indikationen mit den folgenden Begründungen entgegen
treten:

  • Zahnfraktur: Eine konventionelle zweidimensionale Röntgenaufnahme ist hier zur sicheren Befundung nichtausreichend. Frakturlinien lassen sich – im Gegensatz zu einer zweidimensionalen Darstellung – dreidimensional im Sagittalschnitt eindeutig diagnostizieren.
  • Implantation: Herkömmliche zweidimensionale Röntgenbilder lassen keine diagnostisch verwertbare metrische
    Analyse zu. Genaue Abstände zu wichtigen Gewebedimensionen wie z.B. Nervlage, Sinusausdehnung oder Knochenstruktur sind somit nicht exakt berechenbar. Insofern sind DVT`s vor Implantationen häufig notwendig, um eine diagnostische Auswertung des Knochen- und Gewebeangebots durchzuführen, die vorhandenen Knochenverhältnisse im Bezug auf Vermeidung einer Kieferhöhlenschädigung beurteilen zu können, das Erfordernis und den Umfang eines notwendigen Knochenaufbaus oder eines notwendigen Sinuslifts einzuschätzen, die unmittelbare Lagebeziehung zu Risikostrukturen wie Kieferhöhle oder Nerv darzustellen (diese stellt eine eindeutige Komplikationsgefahr dar),  die auf Basis der DVT-Aufnahme ermittelten Werte und Erkenntnisse dazu zu verwenden, unter dem Schutz wichtiger anatomischer Strukturen eine möglichst exakte und prothetisch orientierte Positionierung der Implantate unter bestmöglicher Ausnutzung des Knochenangebotes zu planen.
  • Endo und Wurzelspitzenresektion
    Zweidimensionale Röntgenaufnahmen können oftmals keine ausreichenden Hinweise über die Ausdehnung einer apikalen Aufhellung sowie die Anatomie (Anzahl, Lage und Verlauf) der Wurzelkanäle geben.
  • Weitere Indikationen können sein:
    – Wurzelfrakturen
    – Wurzelresorptionen
    – Perforationen und Instrumentenfrakturen
    – Komplexe Wurzelanatomie und Morphologie (zusätzliche Kanalsysteme etc.)
    – Endodontische Chirurgie unter Einbeziehung gefährdeter Nachbarstrukturen
    – Beurteilung bereits eingebrachter Wurzelfüllungen
  • Fremdkörper
    Mittels zweidimensionaler Bildgebung kann häufig keine ausreichende Information zur genauen Lage und Dimension des Fremdkörpers erlangt werden. Hier ist dann die DVT indiziert, um röntgenopake Fremdkörper darzustellen.
  • Kiefergelenksproblematiken
    Mittels DVT ist eine dreidimensionale Darstellung der Strukturen zur Abklärung der Pathogenese möglich.
  • Verdacht auf Sinusitis
    Die dreidimensionale Darstellung der Strukturen erlaubt die Diagnostik bzw den Ausschluss einer dentogenen Sinusitis.
  • Mesiodens
    Die genaue Lage eines Mesiodens sowie kann mittels DVT bestimmt werden. Ebenfalls kann hiermit die Resorption von Nachbarzähnen ausgeschlossen werden.
  • Parodontologie
    Eine DVT kann notwendig sein zur Diagnostik hinsichtlich einer Parodontitis marginalis profunda generalisata. Damit kann eine Abklärung in Bezug auf die Erhaltungswürdigkeit der parodontal geschädigten Zähne erfolgen. Aufgrund er Überlegenheit der DVT gegenüber der zweidimensionalen Röntgenaufnahmen in der Darstellung von Knochentaschen und Furkationen kann eine dreidimensionale Darstellung für die parodontale Diagnsotik sehr wichtig sein.
  • Osteotomie
    Die unmittelbaren Lagebeziehungen zu Risikostrukturen wie den Verlauf des Nervus alveolaris inferior und der knöchernen Sinusbegrenzung bei retinierten, verlagerten Weisheitszähnen stellen eine eindeutige Komplikationsgefahr dar, die fachlich unstrittig eine rechtfertigende Indikation für eine dreidimensionale Röntgenbildgebung beinhaltet.
  • Zyste
    Mittels DVT kann die Ausdehnung einer Zyste in alle Richtungen, vor allem auch in Bezug auf die benachbarten Strukturen, beurteilt werden. Genaue Kenntnisse über die räumliche Lage sowie Ausdehnung größerer pathologischer Veränderungen im Kieferknochen sowie die Zuordnung zu Nachbarstrukturen können für die weitere Therapie sehr wichtig sein.

GOÄ 5377

Einige kostenerstattenden Stellen erstatten die GOÄ 5377 nicht neben der GOÄ 5370 mit dem Hinweis, die Auswertung sei Bestandteil der GOZ 9000. Leistungsbestandteil der GOZ-Nummer 9000 (Implantatbezogene Analyse und Vermessung des
Alveolarfortsatzes, des Kieferkörpers und der angrenzenden knöchernen Strukturen sowie der Schleimhaut, einschließlich metrischer Auswertung von radiologischen Befundunterlagen…) ist
lediglich die metrische Auswertung von radiologischen Befundunterlagen.
Die DVT-Auswertung erfolgt jedoch metrisch, graphisch und dreidimensional.
Die Befundung durch den Arzt umfasst die Erkennung, Beschreibung und Beurteilung der
diagnoserelevanten Bildinhalte mit den organtypischen Bildmerkmalen, Details und kritischen
Strukturen zur Beantwortung der diagnostischen Fragestellungen und als Grundlage für ärztliche
Entscheidungen. Außerdem müssen auch weitere krankhafte Befunde diagnostiziert werden können.
Ebenso sagt der GOZ-Beschlusskatalog der Bundeszahnärztekammer zu den GOÄ-Nummern 5370
und 5377 – Digitale Volumentomografie (DVT)/Stand September 2015:
„(…)Der Zahnarzt mit DVT-Fachkunde-Nachweis und DVT-Gerät berechnet für die Anfertigung und
Befundung einer DVT-Aufnahme die GOÄ Nummer 5370. Die anschließende computergesteuerte
Analyse mit einer 3-D-Rekonstruktion wird nach der Zuschlagsnummer GOÄ 5377 berechnet. (…)“
Die computergestützte Analyse setzt die Aufarbeitung und Auswertung der erhobenen Datensätze
durch den befundenden Arzt voraus und erfordert die Durchführung von Rechenprozessen, deren
Ergebnisse diagnostisch relevante Daten erwarten lassen. Der Leistungsinhalt des Zuschlags wird
nicht durch eine übliche Monitorbefundung erfüllt. Gerechtfertigt ist die Berechnung der GOÄ-Nummer
5377 dann, wenn eine Winkel-, Flächen- oder Volumenmessung oder eine 3-D-Rekonstruktion
durchgeführt werden muss, da es sich hierbei um aufwändige ärztliche Leistungen handelt.
Damit ist der Ansatz der GOÄ-Nummer 5377 für die computergesteuerte Analyse gebührenrechtlich
nicht zu beanstanden.

S2K-Leitlinie
Von den Versicherungen wird zunehmend eine Leitlinien-konforme Indikationsstellung gefordert. Die S2K-Leitlinie zu DVT´s ist veraltet (2013) und sollte bis zum 31.12.2019 überarbeitet werden. Obwohl es noch keinen aktuelleren Stand gibt, empfehlen wir, bereits in der Rechnungsstellung eine kurze Indikation anzugeben, mit dem Hinweis, dass diese den aktuellen S2K-Leitlinien entspricht.

Dieser Text ist eine Kooperation von Dentalekt und der Health AG.

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Aufsichtsratsvorsitzender | Dr. Guido Jestädt